Fermentation ist eine der ältesten Methoden zur Haltbarmachung von Lebensmitteln. Ich experimentiere schon seit längerer Zeit damit, probiere immer wieder was Neues aus und empfehle auch meinen Klient:Innen fermentierte Lebensmittel in ihrer Ernährung zu integrieren (außer es liegen bestimmte Unverträglichkeiten etc. vor).
Besonders bekannt bei uns ist Weißkohl, aus dem durch Milchsäuregärung Sauerkraut entsteht. In den letzten Jahren ist aber auch die koreanische Variante Kimchi dazugekommen und es gibt immer mehr Anbieter, die, vor allem in Bio Märkten, online oder gut sortierten Supermärkten fermentiertes Gemüse anbieten. Sogar bei einigen Discountern findet man frisches Sauerkraut und Kimchi im Kühlregal. 🤓

Bild 1 Immer mehr Märkte bieten fermentiertes Gemüse in verschiedenen Varianten an - Bild 2 Kimchi - die koreanische Variante unseres Sauerkrauts
Natürlich gibt es auch Tipps, wenn du einmal Zuhause fermentieren möchtest.
Was ist Fermentation – und was genau passiert dabei?
Unter Fermentation versteht man biochemische Prozesse, bei denen Mikroorganismen – vor allem Bakterien, Hefen und Schimmelpilze – organische Stoffe wie Zucker ohne Sauerstoff Bedingungen umbauen. Bei Gemüse ist die wichtigste Form die Milchsäuregärung. Hier nutzen Milchsäurebakterien (z.B. Lactobacillus, Leuconostoc, Pediococcus) den im Gemüse enthaltenen Zucker als Energiequelle.

Wesentliche Schritte
1. Milchsäurebakterien sind bereits natürlicherweise auf der Gemüseoberfläche vorhanden.
2. Unter Ausschluss von Sauerstoff und in einem salzhaltigen Milieu beginnen sie, Zucker zu verstoffwechseln.
3. Dabei entsteht Milchsäure, in geringerem Umfang auch Essigsäure, Kohlendioxid und Aromastoffe.
4. Der pH-Wert sinkt und dieses saure Milieu wirkt konservierend: Verderbniskeime und Bakterien können sich bei niedrigem pH-Wert und in Gegenwart von Salz kaum noch vermehren. Das Gemüse wird damit wochen- bis monatelang, teils jahrelang haltbar.
1. Salzgehalt (Für die meisten Gemüsefermente hat sich ein Salzanteil von etwa 2–3 % der Gemüsemasse bewährt)
2. Ausschluss von Sauerstoff (Anaerobie)
3. Ausreichende Reifezeit
Warum fermentiertes Gemüse als besonders gesund gilt
1. Mikrobiom und Darmgesundheit
Milchsauer vergorenes Gemüse enthält lebende Milchsäurebakterien (Probiotika), solange das Produkt nicht erhitzt oder pasteurisiert wird. Diese können:
- die Darmflora günstig beeinflussen,
- die Barrierefunktion der Darmschleimhaut unterstützen,
- entzündliche Prozesse im Darm regulieren
2. Vitamine und Bioverfügbarkeit
Während der Gärung können bestimmte Vitamine, insbesondere einige B-Vitamine und Vitamin K, gebildet oder vermehrt werden und sekundäre Pflanzenstoffe in Formen überführt werden, die der Körper leichter aufnehmen kann (erhöhte Bioverfügbarkeit).
Welche Gemüsesorten eignen sich?
Grundsätzlich lassen sich fast alle Gemüsesorten fermentieren. Besonders gut geeignet sind z. B:
- Kohlgemüse
- Wurzelgemüse
- Rote Bete
- Zwiebelgemüse, Lauch, Knoblauch
💡 Weicheres Gemüse (z.B. Tomaten, Zucchini) lässt sich ebenfalls fermentieren, neigt aber dazu, sehr weich zu werden oder zu zerfallen. Je fester die Pflanzenstruktur, desto besser bleiben Textur und Biss erhalten.
Es gibt zwei grundlegende Vorgehensweisen:
- Fermentation im eigenen Saft (mit „Trockensalzen“ und Stampfen)
- Fermentation in zugegebener Salzlake (Gemüse + vorbereitete Lake)
1. Fermentation im eigenen Saft
Das Gemüse wird mit einer abgewogenen Menge Salz vermischt, kräftig geknetet oder gestampft, bis ausreichend Zellsaft austritt und eine natürliche Lake bildet. Diese Methode ist z.B. klassisch für Kraut, eignet sich aber auch für alle anderen Kohlarten, da hier viel Wasser austreten kann.
Besonders geeignet für:
- wasserreiche Gemüse:
- Weißkohl, Spitzkohl, Rotkohl
- Chinakohl (z.B. Kimchi)
- sehr saftige Rüben- und Wurzelgemüse (geraspelt)

2. Fermentation in Salzlake
Das Gemüse wird (roh) in Gläser geschichtet und anschließend mit einer separat hergestellten Salzlösung übergossen, bis alles unter der Lake steht.
Besonders geeignet für:
- Gemüse, das selbst wenig Saft abgibt, z.B. Möhrenstifte, Rote-Bete-Würfel
- Paprika-Stücke, Blumenkohl, gemischte „Mixed Pickles“

Zeit und Temperatur & Haltbarkeit
Das meiste Gemüse braucht zwischen 10 und 14 Tagen, bis du es essen kannst. Anfangs passiert sehr viel: Du siehst kleine Bläschen aufsteigen, die Lake wird trüb, manchmal steigen einzelne Gemüsestückchen kurz nach oben und sinken wieder ab. Der Druck im Glas nimmt zu, es kann etwas Lake austreten. All das sind normale, sichtbare Anzeichen einer aktiven Gärung und zeigen dir, dass die Mikroorganismen arbeiten. Nach einigen Tagen beruhigt sich dieses „Blubbern“, die Oberfläche wird ruhiger, und das Ferment geht in die Reifephase über. Die Wahl der Gläser (siehe unten) ist deswegen auch wichtig.
Je länger das Gemüse gärt, desto stärker sinkt der pH-Wert und desto saurer wird der Geschmack. Im Kühlschrank wird der Fermentationsprozess deutlich verlangsamt, aber nicht vollständig gestoppt.
Solange das Gemüse luftdicht abgeschlossen ist, vollständig von Lake bedeckt bleibt, kühl und dunkel gelagert wird, kann milchsauer fermentiertes Gemüse monate- bis jahrelang haltbar sein.
Die Wahl der Gläser
Hier kannst du für dich testen, was dir am besten gefällt. Alle Gläser haben ihre Vor- und Nachteile
- Weck Gläser, hier entweicht die Luft durch den Gummiring zwischen Glas und Deckel - diese fand ich super, auch weil man sie mit dem Fermentierten Gemüse verschenken kann
- Gläser mit Schnappverschluss, hier musst du die Gläser in den ersten Tagen "aufstoßen lassen", sodass der Druck entweichen kann - auch mit diesen habe ich positive Erfahrung gemacht. Beim blau gelben schwedischen Möbelriesen gibt es sie in vielen Varianten und Größen zu einem guten Preis
- Gärgläser / Fermentierdeckel, spezielle Ventile oder Wasserrinnen lassen Gase entweichen, ohne Sauerstoff hereinzulassen. Hier habe ich nur welche vom Discounter getestet und hatte bei ein paar Fermenten leider auch Schimmelbildung
- Gärtöpfe: Keramiktöpfe sind seit langem bewährt. Das macht meine Tante seit Jahren und es hat hat immer geklappt
Fermentierte Lebensmittel nach und nach in den Alltag integrieren
Fermentiertes Gemüse ist kein Hauptgericht, sondern eher wie ein aromatischer, funktioneller Beilagensalat zu verstehen. Du kannst es z.B. so nutzen:
- Zu warmen Mahlzeiten: 1–2 Esslöffel Sauerkraut, Kimchi oder anderes Gemüseferment auf den Teller
- Zu Eintöpfen, Ofengemüse, Kartoffeln, Reisgerichten oder Pfannengerichten.
- Als Topping über Bowls, auf deinem Brot oder auf Salaten
So hast du schon mit einer kleinen Menge pro Mahlzeit einen spürbaren Effekt, ohne deinen Verdauungstrakt zu überfordern.
Wenn du bisher kaum fermentierte Lebensmittel gegessen hast, ist dein Darm an die lebender Mikroorganismen vielleicht noch nicht gewöhnt. Ein „Zuviel“ auf kann gerade am Anfang zu:
- Blähungen, rumorigem Bauch, leicht verändertem Stuhlgang führen – das ist meistens kein Alarmzeichen, sondern ein Hinweis, dass sich etwas verändert. Damit dein Körper sich in Ruhe anpassen kann:
- 1–2 Teelöffel Ferment pro Tag sind für den Anfang völlig ausreichend, nach einigen Tagen kannst du auf 1–2 Esslöffel erhöhen

Starte mit kleinen Portionen, wenn du bisher wenig fermentierte Lebensmittel gegessen hast
Übrigens: Nicht jeder mag Fermente sofort. Häufig braucht der Gaumen etwas Zeit, sich an: die Säure, die leichten Umami-Noten, die intensiven Aromen zu gewöhnen. Mit der Zeit verändert sich das Geschmacksempfinden – viele stellen fest, dass sie die frische Säure irgendwann regelrecht „vermissen“, wenn sie fehlt.
⚠️ Für wen ist Vorsicht geboten?
Auch wenn fermentierte Lebensmittel grundsätzlich als sehr sicher gelten, gibt es Gruppen, die etwas achtsamer sein sollten:
- Menschen mit stark empfindlichem Darm (z.B. Reizdarmsyndrom, akute Entzündungen):
- Personen mit Histaminintoleranz: Fermente können relativ viel Histamin enthalten, hier nur in Absprache mit Facharzt/-ärztin oder Ernährungsberatung testen.
- Bei stark salzreduzierter Kost: Menge der Fermente an die Gesamtsalzaufnahme anpassen,
Wenn du bei mir im Coaching bist, helfe ich dir, fermentierte Lebensmittel Schritt für Schritt so in deinen Alltag zu integrieren, dass sie zu deinem Körper, deinem Geschmack, deinem Alltag und deinen individuellen gesundheitlichen Zielen passen – ohne Überforderung, sondern mit klaren, einfachen und alltagstauglichen Strategien.
Hier gehts zu einigen meiner Lieblingsrezepten:




Bunt und vielfältig - Fermentieren Zuhause
Fazit
Milchsäuregärung ist:
- eine traditionelle, wissenschaftlich gut verstandene Konservierungsmethode,
- weitgehend energieunabhängig und damit ökologisch vorteilhaft,
- geeignet für zahlreiche Gemüsesorten,
- in der Lage, Haltbarkeit, Aroma und ernährungsphysiologische Qualität zu verbessern,
- ein sinnvoller Beitrag zu einer darmfreundlichen, pflanzenbetonten Ernährung.
Mit wenigen Grundregeln – ausreichend Salz, Sauerstoffausschluss, sauberes Arbeiten und Geduld – lässt sich zu Hause sicheres, schmackhaftes und sehr gesundes fermentiertes Gemüse herstellen.